

Morbus Cushing
Ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse produziert Hormone
Morbus Cushing ist eine Erkrankung, die durch bestimmte Tumoren der Hirnanhangdrüse (Hypophysenadenom) verursacht wird. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ist eine Hormondrüse im Kopf, unterhalb des Großhirns. Sie produziert bei Gesunden das Hormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) und gibt es ins Blut ab. Das ACTH gelangt auf dem Blutweg zur Nebennierenrinde und regt diese zur Ausschüttung eines weiteren Hormons an, dem Cortisol.
Einige Formen von Hypophysenadenomen führen dazu, dass ungebremst ACTH produziert wird. Die Nebennierenrinden werden dadurch übermäßig angeregt und produzieren ihrerseits übermäßig Cortisol. Die Folge ist ein zu hoher Cortisolspiegel im Blut, der die typischen Symptome von Morbus Cushing hervorruft.
Die Erkrankung ist sehr selten. Pro Jahr und eine Million Einwohner erkranken 2–3 Personen neu, insgesamt sind ca. 35 Personen/Mio erkrankt. Für Deutschland bedeutet das ca. 3000 Patienten und 150–250 Neuerkrankungen pro Jahr [1, 2].
Typische Veränderungen durch zu viel Cortisol
Das dauerhaft übermäßige Cortisol kann u. a. folgende Symptome verursachen:
- Gerötetes, rundes Gesicht („Vollmondgesicht”)
- Fettpolster im Nacken („Büffelnacken”)
- Fettansammlung am Bauch, aber dünne Arme und Beine („Stammfettsucht”)
- Muskelschwäche und Muskelschwund
- Bluthochdruck und Zuckerkrankheit
- Knochenschwund (Osteoporose)
- Zyklusstörungen bei Frauen, vermehrt männlicher Haarwuchs
- Rote Hautstreifen, v. a. an Bauch und Armen/Beinen, die Schwangerschaftsstreifen ähneln
- Psychische Erkrankungen, z. B. Depressionen
Obwohl das Krankheitsbild von Morbus Cushing sehr charakteristisch ist, wird die Erkrankung oft erst nicht erkannt [6], da die einzelnen Symptome nicht ausschließlich bei dieser Krankheit auftreten.
Mit bildgebenden Verfahren kann der Tumor sichtbar gemacht werden. Dies gelingt jedoch nicht in allen Fällen. Liegt ein Verdacht auf Morbus Cushing vor, können Hormontests die Diagnose sichern [3]. Diese Tests werden durch einen Hormonspezialisten (Endokrinologe) durchgeführt.
Behandlung von Morbus Cushing
Tumoren der Hirnanhangdrüse sind normalerweise nicht bösartig [3].Dennoch haben Patienten mit Morbus Cushing eine reduzierte Lebenserwartung [3], weshalb eine Behandlung wichtig ist. In vielen Fällen kann der Tumor in der Hypophyse operativ entfernt und der Patient dadurch geheilt werden [4]. Für die Fälle, in denen eine Operation nicht möglich ist oder nicht zur Heilung führt, können eventuell Medikamente helfen [5].
Weitere Informationen finden Sie unter
Glandula – Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V .
Das Netzwerk „Glandula” ist ein gemeinnütziger Verein von Betroffenen, Angehörigen und Ärzten mit Sitz in Fürth (Bayern) und über ganz Deutschland verteilten Regionalgruppen.
Informationen für Fachkreise
Quellen
[1] Pivonello et al: Cushing´s Syndrome. Endocrin Metab Clin 37 (1); 135–39, ix (2008)
[2] Steffensen et al: Epidemiology of Cushing´s Syndrome. Neuroendocrinology 2010;92 (Suppl. 1):1-5 (DOI: 10.1159/000314297)
[3] Informationsbroschüre Hypophysentumoren, Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V.
[4] http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/027-033_S1_Cushing-Syndrom_01-2010_01-2015.pdf
[5] Stalla: Therapieleitfaden Hypophysenerkrankungen; Uni-Med-Verlag, 2. Aufl., 2006
[6] Baenkler, Fritze, Füeßl: Duale Reihe Innere Medizin; Thieme 2001
[7] Klinisches Wörterbuch Pschyrembel, de Gruyter 261. Auflage, 2007
